Herr Dr. Kada Benotmane, Schlafmediziner und Leiter des Schlaflabors der  SeegartenKlinik in Heidelberg

Aufgabenfeld allgemein

Hr. Dr. Benotmane ist Schlafmediziner, Allergologe, Umweltmediziner, Flugmediziner, Ernährungsmediziner, psychosomatischer Grundversorger (das beinhaltet das Erstellen einer Diagnose und die Weiterleitung des Patienten an den jeweiligen Fachkollegen).

Außerdem ist er der Leiter des Schlaflabors der SeegartenKlinik in Heidelberg und hat eine Diagnosepraxis in München als paralleles Standbein.

Sein Arbeitsfeld in der SeegartenKlinik:

  • Diagnose von Schlafstörungen
  • Ausschluss eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS)
  • Narkolepsie
  • Restless-Leg-Syndrom
  • PLM-Syndrom, engl. Periodic Limb Movement (=sich wiederholende, unwillkürliche Bewegungen der Arme und Beine, die sowohl im Wach- als auch im Schlafzustand vorkommen)
  • Idiopathische Hypersomnie (Tagesmüdigkeit trotz verlängerter Schlafzeit in der Nacht)
  • Zähneknirschen
  • Unklare Genese einer Schlafstörung

 

Die Veränderungen des menschlichen Verhaltens, welche Bereiche kommen zu Ihren Spezialisierungen noch hinzu?

Die Spezialisierung zum Flugmediziner, neben all den fachlichen Spezialisierungen ergab sich aus der Tatsache, „dass ich selbst Pilot bin und zwar für Ballons. So kann ich beurteilen, ob ein anderer Pilot flugtauglich ist bzw. aus medizinischer Sicht seine Lizenz verlängert bekommt.“.

„All die genannten Spezialisierungen ergaben sich aus der Schlafmedizin, denn unsere Psyche ist eine abstrakte Größe, deren Stärke und Einfluss nicht zu unterschätzen ist. Aber auch die Schlafmedizin selbst hat sich enorm weiterentwickelt.“

Was macht die Schlafmedizin so wichtig?

„Schlaf ist unser aller Basis, er ist sehr wichtig für den Körper. Erkältungen als Beispiel werden wir immer weniger bekommen, abgesehen einmal von der großen aktuellen Krise durch Corona. Aber psychische Erkrankungen werden mehr und mehr und man fragt sich: Wie kommt das? Eine Mutter, die mit ihren zwei Kindern alleinerziehend ist, fühlt sich völlig überfordert und das schlägt sich auf die Psyche nieder und in Konsequenz auf ihr Schlafmuster. Viele Erkrankungen kommen nicht ans Licht, da die Symptome behandelt werden, nicht aber der Ursache auf den Grund gegangen wird. Hierzu erforschen wir die Ursachen. Als Schlafmediziner ist man zu 50 % Psychologe und zu 50 % Neurologe. Hypnogramme, also die Erforschung der Schlafmuster, helfen uns dabei wesentlich.“

Ist Schlafmedizin heute wichtiger als in den vergangenen Jahren?

„Dazu muss die Entstehung der Schlafmedizin betrachtet werden. Der Beginn der Schlafmedizin liegt in Deutschland und Deutschland ist heute führend in diesem Bereich, neben Frankreich unter anderem. Zu Beginn der Atemapnoe ging man zum Neurologen, später dann nahmen sich Pneumologen, also Lungenfachärzte, und Psychologen dieses Themas an und zogen an den Neurologen vorbei. Zuletzt kam es zur Spezialisierung und dem Entstehen der Schlafmedizin an sich. Ich war im Jahr 1995 der erste zugelassene Schlafmediziner in Bayern bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)?“.

„Seit dieser Zeit“, so führt Dr. Benotmane weiter aus, „hat sich der Bereich der Schlafmedizin stark weiterentwickelt, unter anderem sind auch andere Fachbereiche aus der Schlafmedizin entstanden. Die Schlafmediziner haben auch Bereiche weiterentwickelt beispielsweise in psychologischer Hinsicht oder im Patientenumgang und auch in der Qualität der Behandlung.

Als Beispiel kann ich Ihnen folgende Situation erläutern:

Leidet eine Frau unter Schlafapnoe und ist aus therapeutischen Gründen dazu angehalten, eine Schlafmaske zu tragen, kann das schwerwiegende psychologische Auswirkungen zur Folge haben, da Männer allgemein nicht unbedingt die Nacht neben einer Frau verbringen wollen, die eine Schlafmaske trägt – der Fall ist anders gelagert, wenn der Mann die Maske tragen muss. Bei der betroffenen Frau entwickeln sich, neben den diagnostizierten Schlafproblemen, Ängste vor dem Verlassenwerden und dem Scheitern der Ehe, was wiederum zu Existenzängsten führt. Also eine ganze Aneinanderreihung von Tatsachen. Die Frau hat also den dringenden Wunsch, die Maske nicht tragen zu müssen und eine alternative Lösung zu finden.“

Was macht man in so einem Fall tun könne, so Dr. Benotmane, sei die Anpassung einer als alternative Behandlungsmethode, um die Maske zu ersetzen. Diese berge aber eine Hürde, da sie normalerweise privat zu zahlen sei. „Ein solcher Härtefall aber kann zu einer Ausnahme führen, da die Konsequenzen für die Patientin zu gravierend sind. Ein Beispiel also für eine psychologische Ursachenerkenntnis und auch eine andere Herangehensweise an den Patienten und die Qualität des Ergebnisses.“

Zur Weiterentwicklung der Schlafmedizin erläutert er, „vor 20 Jahren bekam ein Patient mit Atemaussetzern in Deutschland einfach eine Schlafmaske ausgehändigt und das war die Therapie – das ist in den USA übrigens heute noch der Fall. In Deutschland aber hat sich die Vorgehensweise grundlegend geändert: zunächst einmal wird ein ausführliches Beratungsgespräch geführt. Im Anschluss folgt eine Untersuchung im Schlaflabor, dabei kann abgewogen werden ob stationär oder im heimischen Umfeld zu Hause. Abschließend wird in einem Gespräch zwischen Arzt und Patient entschieden, wie die weitere Behandlung des Patienten aussieht. Es existieren zu dieser Vorgehensweise klare Richtlinien, was dem Schutz von Arzt und Patient dient.“

„Weiter hat sich für mich persönlich die Art Gesprächsführung verändert“ so Dr. Benotmane, „da das Verhältnis von Arzt und Patient ganz klar sein muss. Der Patient kann und darf dem Arzt als Fachmann nicht sagen, wie die Behandlung verlaufen soll, denn in diesem Fall kann sie nicht durchgeführt werden.“

Diagnose Schlafapnoe: AU oder direkte Therapie?

„Auf diese Frage kann es keine einheitliche Antwort geben. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wurde bereits eine Untersuchung im Schlaflabor durchgeführt, wird im darauffolgenden Gespräch mit dem Patient besprochen, wie weiter vorgegangen wird. Das kann die Verordnung einer Schlafmaske sein, die Anpassung einer Protrusionsschiene (Schnarchschiene) oder eine psychologische Betreuung, um die Atemaussetzer zu therapieren.

Hat aber ein Patient außerdem die klare Diagnose Tagesmüdigkeit durch die Schlafapnoe, wird ihm nahegelegt, kein Auto zu fahren. Das kann eine private Fahrt sein, das kann die Fahrt zur Arbeit sein. Er braucht dafür aber keine AU-Bescheinigung, da er seiner Arbeit nachgehen kann, lediglich wäre es unverantwortlich, autozufahren. Tut er es dennoch, geschieht es auf eigene Gefahr.

Anders ist die Lage bei Patienten mit eindeutigen Berufsbildern wie Taxifahrer, Bus- oder Straßenbahnfahrer oder Zugführer sowie Schichtarbeiter. Sie können ihren Tätigkeiten nicht mehr nachgehen. Hier kann eine AU-Bescheinigung ausgestellt werden, bis die Therapie anschlägt. Normalerweise zeigen sich Verbesserungen bereits zwei bis drei Wochen nach Therapiebeginn.“

Ist die Schlafapnoe heilbar?

„Nur die obstruktive Form der Schlafapnoe ist und gewissen Vorausetzungen heilbar. Die Ursache kann aber vielschichtig sein, daher kann man bei einer zentralen Schlafapnoe eher von einer Stabilisierung sprechen. Ist das Atemzentrum gestört, kann man die Beschwerden nur lindern.

Neben den bekannten Möglichkeiten einer Schlafmaske oder einer Protrusionsschiene, gibt es auch die Möglichkeit, einen Schrittmacher am Hals einzusetzen, der am Tag ausgeschaltet ist und für die Nacht eingeschaltet wird. Natürlich kann auch in Form einer ursachenbezogenen Schlafapnoe Operation vorgegangen werden, der sogenannten rotation Advancement Operation, durch die eine Erfolgschance von 96 % auf die Behebung der Ursache besteht.“

Welche Einflüsse haben Essverhalten und Vergnügen (Computer, Ausgehen, Drogenkonsum, Fernsehen zu jeder Tag- und Nachtzeit) oder auch immer flexiblere Arbeitszeiten auf unseren Schlaf?

„Diese Frage würde ich so nicht stellen. Ich spreche lieber von „umweltbedingten Schlafstörungen“. Dabei handelt es sich um Umwelteinflüsse die den Schlaf beeinflussen wie Straßenlärm, Problembewältigungen oder anregende Diskussionen vor dem Schlafengehen, beruflich bedingte Faktoren wie Schichtarbeit, die Raumtemperatur, die Bequemlichkeit des Betts.“

Wie viele Patienten behandeln Sie in der SeegartenKlinik?

„Wir haben in unserem Schlaflabor in der der SeegartenKlinik sechs Schlafplätze, jeweils in Einzelzimmern, die über sechs Bildschirme kontrolliert werden, außerdem sechs mobile Schlaflabore, so dass die Untersuchung auch zu Hause durchgeführt werden kann. Insgesamt sprechen wir also von zwölf Schlafplätzen, die parallel vorhanden sind.

Die mobile Variante soll Umweltfaktoren vermeiden, die durch die fremde Schlafumgebung entstehen können und damit das Ergebnis verfälschen könnten. Unterm Strich ist diese Lösung aber nicht immer ideal, es kann sein, dass letztendlich doch eine stationäre Untersuchung im Schlaflabor vorgenommen werden muss.“

Wie lange ist die Aufenthaltsdauer im Schlaflabor für gewöhnlich?

„Der stationäre Aufenthalt dauert zwei Nächte. Am Tag nach der zweiten Nacht wird ein Abschlussgespräch über die anschließende Therapie geführt, das kann in Form einer Schlafmaske, einer Protrusionsschiene oder einer OP sein. Wird eine Schlafmaske verordnet, kann sie für zwei Wochen direkt mitgenommen werden und zur Probe getragen werden. Nach dieser Zeit wird besprochen, wie die Funktion und der Sitz der Maske ist und ob Änderungen vorgenommen werden müssen, z. B. ein Wechsel der Maskengröße oder auch ein anderes Maskenmodell.

Nach der stationären Beobachtung im Schlaflabor hat der Patient die Möglichkeit, noch zu  ca. fünf bis sechs weiteren Beratungsgesprächen vorstellig zu werden, um eine optimale Therapie zu erreichen.

Wie sollte sich der Patient vor dem Aufenthalt verhalten?

Vor der Aufnahme ins Schlaflabor soll der Patient sich verhalten wie immer, das heißt die Uhrzeit des Zubettgehens, die Ernährungsgewohnheiten und auch der Essensrhythmus. Hierzu sagt Hr. Dr. Benotmane: „Trinkt der Patient abends ein Glas Wein, soll er das auch tun, wir wollen ihn so als Person im Schlaf beobachten und schlafen lassen, wie er es für gewöhnlich in seiner vertrauten Umgebung auch tut.“

Was sind die Voraussetzungen für eine stationäre Aufnahme?

„Der stationären Aufnahme in das Schlaflabor liegt zunächst ein Beratungsgespräch zugrunde. In diesem werden die Vorgehensweise und der Ablauf des stationären Aufenthalts und der Beobachtung in der Nacht besprochen. Dieses wird von dem Patient und dem behandelnden Schlafmediziner unterschrieben. Eine Notwendigkeit, die beide Seiten zu dem Besprochenen absichert.“

Was ist eine Aktigraphie?

„An Patienten ohne Atemaussetzer – das ist eine wichtige Voraussetzung – können über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen Messungen vorgenommen werden, anhand derer Aussagen zum Schlaf-Wach-Rhythmus gemacht werden können. Diese Untersuchung bietet sich an, wenn keine Schlafapnoe im eigentlichen Sinne diagnostiziert werden konnte, sprich keine Atemaussetzer in der Nacht vorliegen, jedoch zeigen sich  alle Symptome, die bei der Schlafapnoe entstehen.

Ausprägungen hierfür sind beispielsweise UARS (Upper Airway Resistance Syndrom) als Unterform der schlafbezogenen Atemstörungen, die am Tag unter anderem zu Tagesmüdigkeit, eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit, Nervosität, und Konzentrationsschwäche führen.

Anhand eines am Arm getragenen Messgeräts, das einer Armbanduhr ähnelt, können Aktivitäts- und Ruhezyklen aufgezeichnet werden. So können auch Einschlafzeit und Schlafdauer betrachtet werden, die durch die reduzierten Bewegungen im Vergleich zur Tagaktivität abgegrenzt werden. Die Qualität des Schlafes allerdings kann durch die Aktigraphie nicht weiter bestimmt werden, das heißt die Schlaftiefe, die REM-Phasen, Einschlaf- und Aufwachphase. Die Aktigraphie dient in der Hauptsache zur Feststellung von chronischen Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen. Hier handelt es sich also im Gegensatz zur Diagnose Schlafapnoe um psychisch gelagerte Ursachen.“

Wie erfolgt die Auswertung der Ergebnisse aus dem Schlaflabor?

„Der Patient wird die komplette Nacht in seinen Schlafgewohnheiten beobachtet. Dieses erfolgt über Monitore von einem anderen Raum aus. Für jedes der sechs Zimmer ist ein eigener Monitor vorhanden, über den der Patient von einer Schwester beobachtet wird. In regelmäßigen Abständen werden Werte abgelesen und von ihr aufgeschrieben, wie z. B. die Sauerstoffsättigung im Blut. Auch Schlafbewegungen und die Art des Schlafs (Durchschlafen, häufiges Aufwachen) werden beobachtet.“

Was genau wird angeschaut?

Allgemein werden im Schlaflabor Werte gemessen und beobachtet wie Lungenfunktion, Aufwachreaktion, Pausen in der Nacht (Licht einschalten, auf die Uhr schauen, Toilettengänge).

Bewegungen: macht er Bewegungen mit den Gliedmaßen, gibt es Zuckungen oder Bewegungen durch Träume bedingt

Körperlagewechsel: wie oft wechselt der Patient seine Position

Unruhe: träumt der Patient viel, atmet er unregelmäßig

Schlafmuster: bleibt der Patient in einer Position? Wenn er sich dreht, ist der Schlaf ausgeglichen, findet er Ruhe? Wie lange dauern die Einschlafphase und die Durchschlafphase? Wann wacht der Patient auf?

Wahrnehmung des Patienten „Dieser Aspekt ist ein sehr wichtiger“, erklärt Dr. Benotmane, „besonders nach den Nächten im Schlaflabor: ich führe mit dem Patienten ein Gespräch darüber, wie er geschlafen hat und wie er sich in den Nächten gefühlt hat. Dabei ist es wichtig festzustellen, wie realistisch der Patient selbst seinen Schlaf einschätzt.

Ich frage den Patienten‚ wie war Ihre Nacht? Wie haben Sie geschlafen? und erhalte immer wieder als Antwort ‚schlecht‘ oder ‚wenig‘, dabei war über die Monitore ganz klar zu beobachten, dass er durchgeschlafen hat.

Frage ich einen Patienten, der eine Schlafmaske zu Hause ausprobiert hat, wie er geschlafen hat, erhalte ich oftmals ein ‚schlimm‘. Ich bitte ihn anschließend, mir über seine Eindrücke und Empfindungen zu berichten und antworte ‚erzählen Sie mir darüber‘. Als Antwort erhalten ich dann zum Beispiel: ‚Alles in allem habe ich viel weniger geschwitzt, ich musste nicht zur Toilette und habe gut Luft bekommen. Einzig die Maske war etwas unangenehm, da sie gedrückt hat‘ Also erkenne ich daraus eine durchaus positive Erfahrung über die Nacht, wenn ich nachfrage und mich nicht mit der simplen Antwort „schlimm“ zufriedengebe. Denn die Nacht war gut, bis auf den unbekannten Fremdkörper im Gesicht. Hier ist ganz klar zu erkennen, wie wichtig die Beurteilung durch den Arzt ist, um eine objektivere Bewertung zu erhalten.“.

 

 

 

 

 

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