Ein sehr kontrovers diskutiertes Thema, das heutzutage immer wieder in unserer Gesellschaft aufkommt, ist ADHS (Aufmerksamkeits Defizit Hyperaktivitäts Syndrom). Es heißt, dass 2-4 % der Kinder in der westlichen Welt darunter leiden und die Hälfte dieser betroffenen Kinder wird medikamentös behandelt. Nicht nur Kinder können darunter leiden, sondern auch Erwachsene. Die Symptome sind: sich nicht auf eine Sache fokussieren können, leicht ablenkbar sein und Verhaltensauffälligkeiten in der Schule aufweisen. Es gibt eine Reihe von Erklärungsversuchen über das Auftreten von ADHS, unter anderem Dysbalancen in der Biochemie des Gehirns und Schäden durch Umwelteinflüsse und Giften. Eine mögliche Erklärung, welche meist nicht die notwendige Aufmerksamkeit erhält, ist schlechter Schlaf.

 

Schlechter Schlaf kann das Hirn Ihres Kindes schädigen

Es könnte nur Zufall sein, aber Schätzungen zu Folge haben auch 2-4 % aller Kinder eine obstruktive Schlafapnoe (OSAS). Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass schlechter Schlaf, gleich ob zu wenig Schlaf oder qualitativ schlechter Schlaf, das Gehirn auf verschiedene Weise beeinträchtigen kann. Zum einen hat sich gezeigt, dass Sauerstoffmangel im Gehirn den Blutfluss und den Stoffwechsel des Gehirns, einschließlich der Bereiche welche die Gedächtnis– und die Bewegungsfunktionen betreffen, verringert.

Niemand zweifelt daran, dass eine Hypoxie (Sauerstoffmangel in den Geweben) signifikante Veränderungen der Neurotransmitter im Gehirn verursachen kann, die das Gedächtnis, den Focus, die Konzentration und andere kognitive Fähigkeiten regulieren. Wenn Sie Hunderte von biochemischen Markern untersuchen, werden Sie feststellen, dass es einen Mangel oder eine Erhöhung gibt. Egal ob es sich um Dopamin, Acetylcholin oder Serotonin handelt, wer nach Abnormitäten sucht, wird sicherlich auch welche finden.

Wenn es sich um Dopamin, Acetylcholin oder Serotonin handelt, wenn Sie nach Abnormalitäten suchen, werden Sie es finden. Nicht überraschend kann das Gleiche für Depressionen, Angstzustände und andere Gemütsstörungen gesagt werden. Das gleich gilt für Depressionen, Angstzustände und Störungen anderer Gemütszustände.

Zugegebenermaßen ist ADHS eine vielschichtige Erkrankung. Manchmal gibt es eine hauptsächliche Ursache, in anderen Fällen ist es eine Kombination verschiedener Ursachen. Wenn Sie während dem Schlafen nicht gut atmen, führt dies zu den gleichen klinischen Symptomen wie bei toxischen Verunreinigungen (z. B. Bleivergiftungen). Wir erachten es für sehr wichtig, dass der Kinderarzt oder ein anderer Facharzt alle Möglichkeiten prüft, bevor er sich für eine Psychotherapie oder gar Psychopharmaka entscheidet. Erst nach Ausschluss jeder behandelbaren Erkrankung sollte die Diagnose ADHS gestellt werden, da es sich letztendlich um eine Ausschlussdiagnose handelt.

 

Erst Schlaflabor dann ADHS

 

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat herausgefunden, dass 28 % der Kinder die eine Mandelentfernung (Tonsillektomie) bekommen haben, auch mit ADHS diagnostiziert wurden. Sobald die Mandeln entfernt wurden, halbierte sich die Rate der an ADHS erkrankten Kinder. Wurde also mit einer Mandelentfernung die Hälfte der Kinder von ADHS geheilt?

Nachgewiesen ist, dass viele Kinder mit ADHS Diagnose, auch wenn sie offiziell nicht mit Schlafapnoe diagnostiziert wurden, schwere Atemprobleme im Schlaf oder Probleme mit der Schlafhygiene haben.

Diese Situation ist vergleichbar mit Patienten, die keine diagnostizierte obstruktive Schlafapnoe haben, jedoch ein Upper-Airway-Resistence Syndrom (UARS), bei dem sie nachts immer mehrmals aufhören zu atmen. Bei der anfänglichen Bewertung des ADHS ist eines der ersten Dinge, die immer zu berücksichtigen sind, die Möglichkeit einer gestörten Atmung im Schlaf. Schnarchen oder Atemprobleme in der Nacht sind immer ein erstes Anzeichen, aber Sie müssen nicht unbedingt schnarchen, um an einer gefährlichen obstruktiven Schlafapnoe zu leiden.

Wenn Ihr Kind sehr große Mandeln hat oder häufig Entzündungen im Hals hat, sollten Sie einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt konsultieren. Eine chronische verstopfte Nase oder eine laufende Nase können auf ein Problem der oberen Atemwege hinweisen. Wenn ein oder beide Elternteile schnarchen, dann ist das noch mehr ein Grund, ein mögliches Schlafproblem zu vermuten.

 

Bevor Sie ihr Kind in ein Schlaflabor oder zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt bringen, probieren Sie doch diese einfachen Tipps um die Schlafqualität Ihres Kindes zu verbessern.

  1. Achten Sie auf irgendwelche Allergien, sowohl Lebensmittel als auch Umwelteinflüsse. Versuchen Sie Ihr Kind, von allem, was Allergien auslösen kann, fernzuhalten. Allergien können eine Entzündung der oberen Atemwege verursachen, die zu Schwellungen und weiterer Verengung führen kann. Wenn die konservativen Optionen versagen, wenden Sie sich an einen Allergologen.
  2. Sie sollten Ihren Kindern, wenn möglich ca. 3-4 Stunden vor dem Schlafengehen, nichts mehr zu essen geben.
  1. Versuchen Sie, die Nasenatmung möglichst freizuhalten. Eine verstopfte Nase verursacht einen Vakuum Effekt, der die Zunge leichter nach hinten fallen lässt, wenn Ihr Kind in der Tiefschlafphase ist.
  2. Versuchen Sie, eine Routine beim Zubettgehen einzuhalten, ohne Fernseher, Computer und Smartphone mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen.
  3. Versichern Sie sich, dass das Schlafzimmer soweit wie möglich abgedunkelt ist. Viele Schlafzimmergeräte, (Wecker usw.) haben helle LED Birnen, die einen guten Schlaf verhindern können.

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind ADHS haben könnte, versuchen Sie bitte zuerst herauszufinden, ob ein schlechter Nachtschlaf die Ursache ist. Natürlich sollten Sie sich auch mit allen weiteren Problemen befassen, die ADHS verschlimmern können, z. B. Ernährung, Reizsteuerung oder Allergien. Der Schlaf sollte jedoch niemals von der Liste ausgeschlossen werden. Auch wenn Ihrem Kind ein besserer Schlaf nicht bei ADHS hilft, kann es definitiv bei verschiedenen anderen gesundheitlichen Problemen helfen, beispielsweise bei der Prävention von Fettleibigkeit oder bei der Verringerung der Häufigkeit von Asthmaanfällen, Depressionen und Angstzuständen. Es könnte Ihrem Kind sogar helfen in der Schule besser zu werden.

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