Allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung

Viele Menschen sind verunsichert angesichts der momentanen Situation bezüglich des Corona-Virus (SARS-CoV-2). Nichts ist momentan mehr so, wie man es gewohnt war. Manche verspüren Ängste, die vor wenigen Wochen gar nicht denkbar gewesen wären. Das Wissen um dieses neuartige SARS-Virus ist noch recht spärlich und viele Fragen bleiben noch ungeklärt. Menschen mit chronischen Erkrankungen sorgen sich, ob sie zu denjenigen gehören, die bei einer Corona-Virus-Infektion mit einem schweren Verlauf zu rechnen haben. Ist das Schlafapnoe-Syndrom ein Kriterium, um zur betroffenen Risikogruppe gezählt zu werden? Was ist zur Risikogruppe generell bekannt?

 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stellt wichtige und aktuelle Informationen bereit

Das Robert-Koch-Institut ist in Deutschland die Referenzstelle, wenn es um infektiöse Erkrankungen, wie z.B. mit dem Corona-Virus, geht. Nicht nur Fachinformationen werden auf der Internetseite vom RKI regelmäßig aktualisiert bereitgestellt, sondern auch welche für die Bevölkerung. So werden dort u.a. Angaben und Einschätzungen zu den Risikogruppen gegeben, bei denen ein schwerer Verlauf bei COVID-19 (Erkrankung durch SARS-CoV-2) u.U. möglich sein könnte.  Zusammengefasst gelten momentan laut Robert-Koch-Institut folgende Menschen/ Faktoren zur Risikogruppe zugehörig (Stand 23.03.2020):

 

  • Ältere Menschen ab einem Alter zwischen 50-60 Jahren aufgrund ihres weniger gut reagierenden Immunsystems
  • Menschen unabhängig vom Alter mit Grunderkrankungen wie: Herz-Kreislauf-Atemwegs-, Leber-, Nieren-, Krebserkrankungen, Diabetes mellitus
  • Ein steigendes Risiko bei größerer Anzahl von Grunderkrankungen (Multimorbidität)
  • Ein geschwächtes und/ oder unterdrücktes Immunsystem (z.B. medikamentös bedingt)

 

Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html

 

Keine Erwähnung des Schlafapnoe-Syndroms

Das Schlafapnoe-Syndrom wird in der RKI-Auflistung der Risiko-Grunderkrankungen nicht gesondert erwähnt. Was bedeutet das letztendlich? Dem Robert-Koch-Institut sind bisher keine herausstechenden Erkrankungskombinationen bekannt, von denen man mit Sicherheit sagen kann, dass bei ihnen ein schwerer COVID-19-Verlauf zu erwarten ist. Bisher reicht die erfasste Datenlage nicht aus, um dazu eine konkrete Aussage treffen zu können. Das Schlafapnoe-Syndrom, egal ob obstruktiv, zentral oder gemischt, gilt nicht als Erkrankung mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf. Soviel schon mal zur Beruhigung.

 

Schlafapnoe und die Nebenerkrankungen

Die wenigsten Menschen allerdings leiden nur an Schlafapnoe. Oftmals bestehen auch noch Nebenerkrankungen wie die o.g. Risiko-Grunderkrankungen oder andere Erkrankungen mit entweder akutem oder chronischem Verlauf. Es kommt also darauf an, wie sich die Gesamtheit der Erkrankungen und Verletzungen eines Menschen auf die körperliche Funktionsfähigkeit auswirken. Läuft der Körper schon an seinem Limit bzw. seiner maximalen Belastbarkeitsgrenze, dann kann eine zusätzliche Infektion wie mit dem Corona-Virus der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Je funktionsfähiger der Körper ist, umso besser kann er mit zusätzlichen Belastungen umgehen. Je mehr Erkrankungen, Verletzungen ein Mensch hat, umso geringer ist seine Belastbarkeit. Altersbedingt lässt die allgemeine Funktionsfähigkeit des Körpers nach, weswegen Menschen mit einem Alter ab 50-60 Jahren bereits als Risikogruppe gelten. Aber das ist nur eine grobe Einschätzung. Individuell ausschlaggebend sind der persönliche Gesundheitszustand und die körperliche Fitness. Ob man nun zur Risikogruppe zählt, kann am besten der behandelnde Hausarzt anhand der bekannten Krankengeschichte beurteilen.

 

COVID-19 mit tückischem Verlauf

Tritt nach einer SARS-CoV-2-Infektion ein schwerer Verlauf ein, wird eine intensivmedizinische Behandlung nahezu unumgänglich. Der Corona-Virus haftet sich in den oberen Atemwegen an. Folglich werden dann auch Viren durch die Atmung in die Lunge befördert. Gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem bekämpfen den Virus dort. Durch Erkrankungen geschwächte Menschen bekommen im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung. In den Rötgenbefunden zeigt sich dann eine interstitielle Pneumonie. Diese kann zu einem ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome; „Schocklunge“) führen, welches eine intensive Beatmungstherapie nach sich zieht. Oftmals muss auch auf eine spezielle Lagerung der betroffenen Patienten zurückgegriffen werden, die sogenannte Bauchlagerung. So holt man das noch maximal Mögliche aus der verbliebenen Restfunktion der Lunge heraus. Mit Antibiotika kann man nur parallel zur Corona-Virus-Infektion auftretende bakterielle Infektionen behandeln.

Virostatika und ECMO-Verfahren

Gegen SARS-CoV-2 selbst kommen verschiedene Virusstatika zum Einsatz, die das Virus nicht abtöten, sondern nur verhindern, dass das Virus sich weiter vermehrt. Schafft die Lunge den Gasaustausch nicht mehr mittels der massiven Beatmungstherapie, kann man nur noch auf das ECMO-Verfahren (Extracorporale Membranoxygenierung) zurückgreifen. Dabei wird das Blut ähnlich wie bei einer Dialyse aus dem Körper durch ein externes Filtersystem geführt. Sauerstoff wird dem Blut hinzugefügt und Kohlenstoffdioxid entnommen. Die Lungenfunktion wird quasi ausgelagert und komplett übernommen, damit sich die Lunge wieder erholen kann. Solche Maximaltherapien sind aber nur der letzte Weg. Dann kommt die Medizin an ihre eigenen Grenzen.

 

Verantwortung übernehmen, egal wie alt man ist

Da es jeden treffen kann, sollte man vernünftig und rational handeln, sich genau informieren und sich nicht von Angst leiten lassen. Auch junge Menschen, die momentan noch völlig gesund sind, können bei einer Corona-Virus-Infektion einen schweren Verlauf entwickeln. Dafür muss man noch nicht mal selbst z.B. einen Unfall verursachen. Ein Fremdverursachter Unfall oder eine Verletzung kann den Körper von jetzt auf gleich an seine Belastbarkeitsgrenze bringen. Um auf ausreichende Intensivbehandlungsplätze zurückgreifen zu können, bedarf es (nicht nur) während der Corona-Virus-Pandemie ein rücksichtsvolles, weitsichtiges, soziales und verantwortungsbewusstes Verhalten.

Am besten begibt man sich nicht unnötig in Gefahr, egal in welche. Wenn man selbst keine Ahnung oder Hintergrundwissen hat, sollte man sich wenigstens an die behördlichen Vorgaben halten, um eine Weiterverbreitung des Virus zu unterbinden und so die Behandlungskapazitäten nicht zum Kollaps zu bringen. Man könnte selbst der Mensch sein, der verstirbt, weil alle Beatmungsplätze auf der Intensivstation belegt waren und so keine ausreichende Behandlung für einen selbst möglich war.

 

Zuverlässige Informationsquellen zu Empfehlungen, Anweisungen und Verordnungen:

 

Stefan D.

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