Fallbeispiel:

Ein männlicher Patient, ca. 65 Jahre alt, kam vor kurzem erst zu uns in die Klinik wegen starken Erschöpfungszuständen und schlechtem Schlaf. Ihm wurde von seinem Hausarzt und seinem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gesagt, dass er keine Schlafapnoe habe. Dies wurde auch im hauseigenen Schlaflabor des HNO-Arztes bestätigt, sein AHI Wert belief sich auf 3,5. Der Patient berichtet aber weiterhin von nächtlichen Weckreaktionen, erhöhtem Blutdruck in der Nacht und Herzrasen. Wir erstellten eine 3D Volumentomographie des Schädel-Hals-Bereiches in Rückenlage und analysierten die oberen Atemwege des Patienten.  Es war eine eindeutige Obstruktion (Verengung) zu erkennen, welche typisch für Schlafapnoe-Betroffene ist. Auch die Epiglottis berührte die hintere Wand und verengte so die Atemwege im unteren Bereich. Eine für OSAS typische Rücklage des Ober- und Unterkiefers war klar erkennbar, und auch die Kopfhaltung des Patienten wies eine Forward Head Posture (überstreckte Haltung der Halswirbelsäule) auf. Wir organisierten einen neuen Schlaflabor Aufenthalt zur Polysomnographie bei uns im Haus. Ergebnis der Diagnostik: 23 Atemaussetzer in der Stunde. Eine sofortige und vorläufige Therapie mit CPAP Überdruckbeatmung wurde verordnet.


Wie zuverlässig ist die Polygraphie?

Diese Frage wird uns in der Schlafmedizin oft gestellt. Grundsätzlich denken sowohl Patienten als auch Schlafmediziner, dass die stationäre Polysomnographie viel genauer ist als die ambulante Polygraphie für zuhause.

Vor und Nachteile einer gewöhnlichen Polysomnographie im Schlaflabor

Die Art und Weise eine Schlafapnoe zu diagnostizieren hat sich seit der Einführung in den 50er Jahren nicht großartig geändert. Gemessen werden Hirnwellen (EEG), Nasen- und Mundatmung, Kontraktionen der Augen und Kiefermuskeln, Herzwerte (EEG), Atembewegungen an Brust und Bauch und die Beinbewegung. In den 90er Jahren wurde noch die Nasendruckmessung eingeführt um Atemaussetzer noch besser erkennen zu können. Wie sie sich sicher vorstellen können fällt einem ein entspanntes Schlafen in einem fremden Bett, während jemand zuschaut nicht ganz so leicht. Des Weiteren ist es mit der Verkabelung und den Gurten nicht immer möglich in der gewohnten Position zu schlafen, besonders Seiten- und Bauchschläfer haben es im Schlaflabor nicht leicht. Das eine oder andere Schlaflabor bittet die Patienten sogar wenn möglich auf dem Rücken zu schlafen. Nichtsdestotrotz ist die Polysomnographie im Schlaflabor die umfassendste Art die Schlafqualität zu analysieren. Vor allem die Hirnwellenmessung ist von entscheidender Bedeutung um Schlafstadien zu erkennen und mögliche Apnoen festzustellen.

Vor und Nachteile einer Polygraphie für zuhause

Es gibt viele Arten der Polygraphie für zuhause. Die meisten Polygraphie-Geräte nutzen nur eine kleine Anzahl von Sensoren wie beispielsweise das Pulsoxymeter am Finger, Nasendruckmessung und ein Brustgurt um die Atmung zu analysieren. Außer bei wenigen Ausnahmen, wird kein EEG gemacht und auch die Muskelkontraktionen im Kiefer und die Beinbewegungen werden nicht analysiert. Für die meisten Patienten mit bereits diagnostizierter Schlafapnoe ist eine Polygraphie für Zuhause meist mehr als ausreichend. Im Allgemeinen korreliert es gut mit Laborstudien. In Laborstudien wurde dennoch festgestellt, dass Ereignisse in der Nachtatmung bei Patienten mit leichter Schlafapnoe im Schlaflabor etwas besser diagnostiziert werden.

Ein großes Problem bei beiden Methoden

Wir haben oft Patienten da, die uns sagen, dass sie die ganze Nacht nicht wirklich schlafen konnten. Man kann das gut nachvollziehen. Das Klinikpersonal darf sich bei uns unentgeltlich untersuchen lassen, so lassen es sich die meisten nicht nehmen und beanspruchen diese Möglichkeit. Die Erfahrung zeigt: Die Nasenbrille stört bei der Nasenatmung und man ist dann oft gezwungen durch den Mund zu atmen, was wiederum zu mehr Atemaussetzern führt. Die Elektroden und die ganze Verkabelung stören bei jeder Bewegung. Aus Angst die Verkabelung unbeabsichtigt zu entfernen und damit zu riskieren, dass eine Schwester wieder ins Zimmer kommt und es neu kleben muss, versucht man sich so wenig wie möglich zu bewegen. Dies führt oft zu künstlich erzeugten schlechten und falschen Werten. Aus diesem Grund ist es meist notwendig zwei Nächte hintereinander zu messen. Die Auswertungen unterscheiden sich von Nacht zu Nacht, nicht selten verdoppeln oder verdreifachen sich die Werte.

Fazit

Die größte Herausforderung ist, wenn man als Patient sich sicher ist, dass man Atemaussetzer nachts hat, aber der Apnoe-Hypopnoe-Index in der Messung zeigt nur einen Wert von unter 5 an. Man kann hier den Facharzt darum bitten den Test wiederholen zu dürfen, weil man nicht wirklich gut schlafen konnte. Man kann auch direkt den Wunsch äußern eine Überweisung in ein richtiges Schlaflabor zu bekommen. Eine noch größere Herausforderung sowohl für den behandelnden Arzt als auch für den Patienten ist es, wenn sowohl die Polygraphie zuhause, als auch die stationäre Untersuchung mit der Polysomnographie unauffällig ist. Gerne können Sie in solchen Fällen einen Termin bei uns in der Klinik vereinbaren um wie beim Patienten aus dem o.g. Fallbeispiel vielleicht doch die aufklärende Diagnose zu erhalten. Der Patient fühlt sich bereits nach 2 Wochen deutlich erholter und möchte sich noch bis Ende des Jahres mit einer Vorverlagerung der Kiefer von seiner Schlafapnoe heilen lassen.

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